Der Tag, an dem Schweden stillsteht

Es gibt diesen einen Freitagabend im Jahr, meist irgendwo zwischen dem 19. und 25. Juni, an dem die großen Städte Schwedens auf einmal wie ausgestorben wirken. Stockholm leert sich, die Büros schließen früh, die Straßen werden still — und gleichzeitig, weit draußen auf dem Land, in Gärten, auf Wiesen und an Seeufern wie hier in Småland, erwacht das Land zu einem Fest, das älter ist als das Christentum selbst. Midsommar ist der Moment, in dem die Schweden für ein, zwei Tage alles stehen und liegen lassen, um genau das zu tun, was ihre Vorfahren schon vor Jahrhunderten getan haben: die längste Zeit des Lichts zu feiern, bevor die Nächte wieder länger werden.

Wer das noch nie erlebt hat, unterschätzt leicht, was für ein Gefühl das ist. Die Sonne geht in Småland zu dieser Zeit kaum wirklich unter — es wird dämmrig, golden, aber nie richtig dunkel. Man sitzt draußen, isst, singt, tanzt, und irgendwann merkt man gar nicht mehr, wie spät es eigentlich ist, weil das Licht es einem nicht verrät.

Uralte Wurzeln, ein christlicher Deckmantel

Die Feier zur Sommersonnenwende reicht weit vor die Wikingerzeit zurück — ein Fest zu Ehren der Sonne, der Fruchtbarkeit und des Lichts, in einer Zeit, in der die kurzen, hellen schwedischen Sommer über Leben und Tod entscheiden konnten. Später, mit der Christianisierung, legte sich der Johannistag (zu Ehren Johannes des Täufers, am 24. Juni) über das alte heidnische Fest — die Kirche gab dem Ganzen einen neuen Namen, doch die eigentliche Feier blieb erstaunlich unverändert. Bis heute wird Midsommar am Freitag, der dem 24. Juni am nächsten liegt, als Midsommarafton (Mittsommerabend) gefeiert, der Samstag danach ist Midsommardagen — offizieller Feiertag im ganzen Land.

Die Mittsommerstange: Herzstück des Festes

Im Zentrum jeder Midsommar-Feier steht die Midsommarstång, die Mittsommerstange — ein hoher Holzmast, oft in Form eines Kreuzes mit zwei hängenden Ringen, komplett mit Birkenlaub, Wiesenblumen und grünen Zweigen umwickelt. Das Schmücken der Stange ist selbst schon ein kleines Ritual: Familien, Freunde und Nachbarn sammeln gemeinsam Blumen und Grün, flechten, binden, lachen — und wenn die Stange fertig geschmückt ist, wird sie mit vereinten Kräften aufgerichtet. Von diesem Moment an gehört der Platz drumherum dem Tanz.

Ein besonders hübscher Nebenbrauch: Viele Frauen und Kinder — inzwischen auch immer mehr Männer — tragen an diesem Tag selbst geflochtene Blumenkränze im Haar, aus Wiesenblumen und Kräutern. Es gehört zum Bild des Tages fast genauso dazu wie die Stange selbst.

Kleine Frösche und großer Spaß

Sobald die Stange steht, wird getanzt — und zwar nicht nur elegant. Das mit Abstand bekannteste Mittsommerlied ist „Små grodorna" („Die kleinen Frösche"), bei dem Groß und Klein im Kreis um die Stange hüpfen, quaken und die Arme wie Froschbeine an den Kopf halten. Es ist albern, es ist laut, und genau deshalb liebt es jeder — Kinder genauso wie die Großeltern, die es selbst schon als Kind getanzt haben. Wer Midsommar in Schweden erlebt, tanzt früher oder später mit, ob man will oder nicht.

Die Tafel: Hering, Erdbeeren und ein Schnaps zum Singen

Auch kulinarisch hat Midsommar seine festen Rituale. Auf jeder Tafel stehen mehrere Sorten eingelegter Hering (sill) in verschiedenen Marinaden, dazu Frühkartoffeln mit Dill und Frühlingszwiebeln, oft begleitet von einem kühlen Bier oder einem Schnaps (nubbe) — zu dem natürlich gesungen wird, denn ein echtes Midsommar-Festmahl ohne Trinklieder (snapsvisor) ist für viele Schweden kaum vorstellbar. Den krönenden Abschluss bilden die ersten heimischen Erdbeeren des Jahres, oft mit Sahne — für viele Schweden DER Geschmack des Sommers schlechthin, das kulinarische Highlight des ganzen Jahres.

Ein Traum unterm Kopfkissen

Zu Midsommar gehört auch ein Stück Aberglaube, das bis heute liebevoll gepflegt wird: Wer in der Mittsommernacht sieben (manchmal neun) verschiedene Blumensorten schweigend sammelt und unter das Kopfkissen legt, soll in dieser Nacht von der Person träumen, die er oder sie einmal heiraten wird. Ob man daran glaubt oder nicht — es ist ein hübsches, fast kindliches Ritual, das die Nacht noch ein bisschen magischer macht.

Warum Midsommar gerade in Småland — und gerade in Ullevi — so besonders ist

Midsommar lässt sich überall in Schweden feiern, aber nirgends fühlt es sich so vollständig an wie mitten auf dem Land — und genau dafür steht Småland wie kaum eine andere Region. Während sich in Dalarna oder an der Stockholmer Schärenküste an Midsommar oft Besucherströme sammeln, bleibt die Feier hier erfreulich echt: kleine Hembygdsgården, Nachbarn, die sich seit Jahren kennen, eine Stange, die noch von Hand geschmückt wird, kein Eintritt, kein Trubel. Es ist genau das Småland, das Astrid Lindgren in ihren Geschichten aus Bullerbyn und Lönneberga beschrieben hat — ein Sommer, der nach frisch gemähtem Gras, Blumenwiesen und langen, hellen Abenden riecht.

Und mittendrin liegt Ullevi. Kein Hotelzimmer, kein Ferienpark, sondern ein eigenes Haus mit eigenem Garten, direktem Seezugang zu Nässjön und Hällsjön und Wald bis vor die Haustür — also genau die Kulisse, die eine Midsommarnacht braucht. Wer möchte, feiert ganz privat: eine eigene kleine Stange im Garten, Blumenkränze binden am Ufer, Hering und Erdbeeren auf der eigenen Terrasse, bis die Sonne irgendwann doch noch kurz untergeht. Und wer lieber mitten ins echte, gelebte Brauchtum eintauchen möchte, ist mit dem Auto in wenigen Minuten bei den öffentlichen Feiern in Vimmerby oder Rumskulla — man muss sich an diesem einen Tag im Jahr also nicht entscheiden zwischen Ruhe und Gemeinschaft. Beides liegt buchstäblich nebeneinander.

Für Familien kommt noch etwas hinzu: Midsommar ist eines der wenigen Feste, bei dem wirklich jede Generation mittanzt — Großeltern genauso wie Kleinkinder. In einem Haus wie Ullevi, das ohnehin für genau solche generationenübergreifenden Aufenthalte gebaut ist, fügt sich das nahtlos ein.

Midsommar hautnah erleben: Feiern in der Umgebung von Ullevi

Das Schöne an Midsommar in Småland: Man muss nicht selbst Gastgeber sein, um mitzufeiern. In der Region um Vimmerby und Västervik gibt es traditionelle, öffentliche Feiern, bei denen jeder willkommen ist:

  • Gästgivarhagen, Vimmerby — Tanz um die Stange, Auftritt des Vimmerby Folkdanslag in Tracht, Musik, Kaffee und Korv med bröd
  • Hembygdsgården Rumskulla — traditionelles Fest mit Tanz um die Stange, Kaffee und Erdbeertorte
  • Hembygdsparken Tuna — gemeinsames Aufrichten der Mittsommerstange, anschließend Tanz und Spiele
  • Lofta Hembygdsgård (bei Västervik) — gemeinsames Schmücken der Stange, Tanz, Kaffeeausschank

Die genauen Termine und Uhrzeiten wechseln von Jahr zu Jahr leicht — ein Blick auf die Website der jeweiligen Hembygdsförening oder der örtlichen Touristinformation kurz vor der Anreise lohnt sich.

Wann man dafür in Ullevi sein sollte

Wer Midsommar in Småland erleben möchte, plant am besten gezielt die letzte Juni-Woche ein — genau die Zeit, die laut unserem Artikel Beste Reisezeit für Ullevi ohnehin zu den gefragtesten des ganzen Jahres zählt. Wer sich diesen Termin sichern möchte, sollte entsprechend frühzeitig buchen — die Mittsommerwoche ist regelmäßig eine der ersten, die in schwedischen Seehäusern ausgebucht ist.